Baugeschichte der St. Barbara-Kirche

Als in Hofen am 10. März 1522 eine eigenständige Pfarrei errichtet wurde, stand hier ein kleines, vermutlich spätgotisches Kirchlein mit einem spitzen Turm. Im Esslinger Urkundenbuch wird um 1408 ein Gotteshaus genannt. Wahrscheinlich könnte es aber schon früher gebaut worden sein, etwa um 1380, zur selben Zeit wie die berühmte Veitskapelle in Mühlhausen. Diese kleine Kirche war umgeben von einem Kirchhof, auf dem auch berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit ihre letzte Ruhestätte fanden. Die heutige St-Barbara-Kirche wurde 1783/84 über der Vorgängerkirche erbaut. Sie war um einiges größer und so musste 1795 ein neuer Friedhof etwas außerhalb des Ortes (in den Ruitlen) angelegt werden.

Der damalige Württembergische Landesherr Herzog Carl Eugen war katholisch. Er war Hofen sehr zugetan und unterstützte den Bau der Kirche maßgeblich.

Nach der Reformation kamen nicht nur viele Katholiken Stuttgarts, sondern auch Angehörige und Bedienstete des herzoglichen Hofes von Ludwigsburg hierher. Hofen war nach der Reformation aufgrund seiner damaligen Lehensherrschaft derer von Neuhausen katholisch geblieben und war somit neben Neuhausen a.d.F., Oeffingen und Justingen einer von nur vier katholisch gebliebenen Orten im damaligen Gebiet des Herzogtums Württemberg.  Auch der damals berühmte Hofmaler Nikolaus Guibal gehörte zu den Bediensteten des Hofes in Ludwigsburg.

Eigentlich hätte der Hofener Pfarrer David Anton Gerster gewünscht, dass die neue Kirche mehr in der Mitte des Dorfes, ggf.  neben dem Pfarrhaus gebaut würde. Die Gemeinde und an ihrer Spitze der Schultheiß Jörg Schäff beharrte auf dem alten, geheiligten Kirchplatz. So fertigte der hochgräfliche Degenfeldsche Bauinspektor Michael Bader die Pläne und machte einen Kostenvoranschlag von 5500 Gulden. Die Handfronarbeiten sowie Fuhrarbeiten musste die Gemeinde unentgeltlich leisten. Das Domkapitel in Konstanz, damals zuständiges Bistum für Hofen und Empfänger des Zehnten, übernahm die Hauptlast von 3000 Gulden und schoss auch die Mehrkosten von 1615 Gulden zu. Der Herzogliche Kirchenrat gab 1000 Gulden und der Bischof von Konstanz sowie der Herzog je 500 Gulden. Die Gesamtkosten betrugen 6615 Gulden.

Am 23. August 1784 wurde die Kirche vom Konstanzer Weihbischof Wilhelm Josef Leopold von Baden geweiht. Währen des Umbaus wurden die Gottesdienste in der herrschaftlichen Scheune beim nahen Gasthof 'Adler' gehalten. Zum Bau wurden auch Steine von der nahen Burgruine verwendet.

Die St. Barbara-Kirche ist als Raum im einfachen, fast nüchternen klassizistischen Stil erbaut. Sie ist 37 Meter lang, 13 Meter breit und 9,5 Meter hoch.

Im Zuge der Säkularisation wurde 1805 das Franziskanerkloster in Oeffingen aufgelöst. Der königliche Regierungsrat von Farnbühler verkaufte am 24.10.1810 die Altäre an den damaligen Hofener Heiligenpfleger und Ritterwirt Johann Werner um 150 Gulden (Neupreis 6500 Gulden). Als Geschenk kamen dazu die Kommunionbank sowie Kreuzwegstationen. Am 1. Adventsonntag 1810 wurde zum ersten Mal die Hl. Messe vor den neuen Altären gefeiert.

Die Rokoko-Altäre (Altaraufbauten aus Holz) wurden im Jahre 1778 im Auftrag der Oeffinger Franziskaner von Jakob Schöninger aus Weil der Stadt angefertigt. Die Statuen schuf der Bildhauer Josef Götzl aus Augsburg. Die Altarblätter wurden von dem berühmten Barockmaler Josef Hueber aus Augsburg gemalt (Hochaltar Hl. Antonius, Seitenaltäre links Immakulata, rechts Hl. Franziskus).

Auf dem linken Seitenaltar, dem Marienaltar, steht das Gnadenbild der 'Stuttgarter Madonna', eine geschnitzte, gotische Holzstatue.  Die Darstellung zeigt Maria mit Kind und stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Der Künstler ist unbekannt; fest steht jedoch, dass er aus der Ulmer Schule stammt.

Zur Zeit der Reformation, am 2. Februar 1535, brachte Pfarrer Paul Korner die damals schon hoch verehrte Madonna aus der Stuttgarter Stiftskirche mit nach Hofen. Schon bald war der Ort Zuflucht für die Katholiken in und um Stuttgart und ist bis heute vielbesuchter Wallfahrtsort.

Eine genaue Beschreibung der Inneneinrichtung kann in einer Broschüre nachgelesen werden, die im Schriftenstand in der Kirche aufliegt.

Die St.-Barbara Kirche steht unter Denkmalschutz. Über dem Hauptportal befindet sich eine
lateinische Inschrift. Sie lautet:

                                  D – O – M
            Hic Domus et Porta Coeli 1. Mos. 28.17.
            Aedificato sub Carolo Duce A. 1784
            Restaurata sub Carolo A. 1884

        Gott dem Allmächtigen, Allgütigen
Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels.
1 Mos. 28,17.
Erbaut 1784 unter Herzog Carl,
restauriert 1884 unter König Karl.

aktualisiert am 24. April 2004 Mechthild Köder /
Peter Harrer u. Heinrich Schütz März 2018

Zerstörung durch Fliegerangriffe 1943 und 1944

Vor allem im Dachbereich der Kirche hatten Fliegerbomben bei den Fliegerangriffen 1943 und 1944 erhebliche Zerstörungen angerichtet. Das halbe Dach musste erneuert werden. Das zerstörte Gebälk wurde aber noch so zurechtgesägt (in der benachbarten Kohlenhandlung Schuhmacher), dass es zum Wiederaufbau verwendet werden konnte.

Die Gemeinschaftsarbeit der gesamten Jugend wurde durch ortsansässige Baugeschäfte unterstützt.

Elektroarbeiten wurden vom Pfadfinder-Stammesleiter Franz Werner durchgeführt.

Die Stromversorgung für den Bau kam zuerst aus der Sakristei, später wurden Leitungen von der TWS gelegt.

Malerarbeiten, insbesondere schöne Verzierungen, führte Gemeindemitglied Joseph Beißwanger durch.

aktualisiert am 20. Mai 2004 Mechthilde Köder / Peter Harrer u. Heinrich Schütz März 2018