Historie der St. Barbara-Kirche in Stuttgart-Hofen

Bedingt durch die von 1369 bis 1753 währende Grundherrschaft der Ritter von Neuhausen verblieb Hofen neben Oeffingen, Justingen und Neuhausen selbst nach der Reformation als einer von nur vier Orten auf dem Gebiet des damaligen Herzogtums Württemberg katholisch. Unter der Herrschaft der katholischen Herzöge Carl Alexander, Carl Eugen, Ludwig Eugen und Friedrich Eugen wurde Hofen eine kirchliche Zuflucht und eine Begräbnisstätte hochverdienter ausländischer Gelehrter, Künstler und Offiziere, die zumeist in Ludwigsburg oder in Stuttgart ihr Domizil aufgeschlagen hatten. So wurde der hochberühmte französische Maler Nicolas Guibal (geb. zu Luneville am 29. November 1725) im November 1784 in Hofen beerdigt. Von seinen Gemälden, die er im Auftrag des Herzogs Karl, zum Teil in Rom schuf, sind heute noch das Deckengemälde im Lorbeersaal der Solitude, das Auferstehungsbild in der katholischen Schlosskapelle dortselbst, das runde Plafond-Bild im Saale von Monrepos bei Ludwigsburg, Deckenbilder in Hohenheim und in der Ordenskapelle Ludwigsburg, Bilder in den Kirchen von Zwiefalten, Weingarten, Gmünd und Solothurn, Christi Grablegung und Beweinung in der Staatsgalerie Stuttgart vorhanden. Sein Grabstein ist auf unerklärliche Weise verschwunden, doch ehrt man in Hofen durch die 'Guibal-Straße' und ein Guibal-Denkmal an der Westfassade der Kirche sein Andenken und seine Werke bezeugen seinen Ruhm.

Aus div. Überlieferungen ist in Hofen auch das Andenken an die italienische Hof-Tänzerin Maria Anna Riccieri erhalten, die mit allen Sakramenten versehen mit nur 16 Jahren am 21.12.1764 in Ludwigsburg verstarb. Sie wurde im Chor der Hofener Kirche im Beisein Herzog Carl Eugens und seines ganzen Hofstaates beigesetzt. Es wird berichtet, dass die Kirche damals zu mitternächtlicher Stunde durch 1500 Kerzen und 600 Öl-Lampen erleuchtet war. Eine große Volksmenge strömte auch zu dem feierlichen Akt der Taufe des 27 jährigen türkischen Militärs Ali Mohammed herzu, der durch Hofkaplan Seitz in Ludwigsburg bekehrt worden war und 1763 bei seiner Taufe in Hofen den Namen Lorenz Christmann empfing.

Neben Beerdigungen mit Trauergottesdiensten machten auch viele Taufen und Hochzeiten die Hofener Kirche zu einem begehrten Besuchsort insbesondere auch für die im Lande lebenden Angehörigen romanischer Völker. Hofen war vor der Reformation Filial zu Cannstatt und der dortigen Stadtkirche St. Cosmas und Damian zugeordnet. Im Jahre 1532 wurde die St. Nicolaus-Kaplanei hierher verlegt, das Patronat verblieb dem Kapitel Konstanz. Von den vielen Pfarrherren die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Hofen wirkten, war Ignaz Schreiber mit 39 segensreichen Jahren von 1784 bis 1823 am längsten in Hofen. Gleich nach seiner Investitur wurde die neue Kirche eingeweiht. Durch seine Intervention beim Französischen General rettete er in den Revolutionskriegen Hofen vor der angedrohten Vernichtung. Er war es auch, der als Beweis seiner Toleranz am 18. November 1791 den Leichnam des evangelischen Prälaten und Stadtpfarrers Jäger in Cannstatt tragen half, wofür ihm der Herzog seinen Beifall 'über solche handlungs- und Denkungsart, ganz dem echten Christentum gemäß', ausdrücken ließ. Das schlichte Grabmal des Pfarrers Schreiber befindet sich heute noch auf dem alten Gottesacker.

Ihm folgte von 1823 bis 1826 Pfarrer Andreas Steimle aus Wiesensteig, zugleich auch Pfarrer in Oeffingen und dort 1828 verstorben. Im Jahre 1826 wurde Pfarrer Philipp Ade aus Gmünd nach Hofen ernannt. Er hat die Orts- und Pfarrchronik angelegt und fortgeführt. Mit maßgeblicher Unterstützung durch Pfarrer Ade wurde 1833 der Männergesangverein „Cäcilia“ Hofen gegründet. Unter seiner Amtszeit grassierte in Hofen und Oeffingen das Schleim- und Nervenfieber, das auch den Pfarrer Steimle in Oeffingen hinwegraffte und Ade selbst 16 Wochen lang leiden ließ. 'Welch erbärmlich Los erschaute ich damals', schrieb er klagend in seine Chronik. Hofen und Oeffingen mussten damals von Hohenasperg aus seelsorgerisch betreut werden. Ein schweres Hagelwetter richtete großen Schaden an, die Julirevolution der dreißiger Jahre in Frankreich verbreitete Schrecken, doch Pfarrer Ade schrieb an die Spitze seiner Chronik für 1831unter eine Federzeichnung, die das Auge Gottes darstellt, das schöne Chronostichon: Das neu Jahr droht uns Unheils viel; Was thun? Vertrau'n Das Unheil abzuleiten Ist jener Weisheit nur ein Spiel!

Die im sogenannten Zopfstiel erbauten Kirche ist als Raum im einfachen, fast nüchternen klassizistischen Stil gehalten. Sie wurde im Jahre 1884 zur Hundertjahrfeier ihrer Einweihung renoviert, ebenso die Walker-Orgel. Aus diesem Anlass wurde über dem Hauptportal eine vom damaligen Heiligenpfleger Karl Rau geschaffene Steinplatte eingelassen. Sie trägt die lateinische Inschrift:

                                                               D – O – M
                            (Deutsche Übersetzung: Deus - Omnibus – Misericordia)
                                       Hic Domus et Porta Coeli 1. Mos. 28.17.
                                           Aedificato sub Carolo Duce A. 1784
                                                Restaurata sub Carolo A. 1884

Die deutsche Übersetzung lautet:

                                         Gott dem Allmächtigen, Allgütigen
                  Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels. 1 Mos. 28,17.
                                          Erbaut 1784 unter Herzog Carl
                                        Restauriert 1884 unter König Karl

Die Kirche St. Barbara ist bis heute Anziehungspunkt und Ziel vieler Wallfahrer aus Nah und Fern. Beherbergt sie doch auf dem linken Seitenaltar, dem Marienaltar, das Gnadenbild 'Unserer Lieben Frau von Stuttgart'. Diese um das Jahr 1500 aus Meisterhand der Ulmer Schule stammende gotische Statue zeigt Maria mit ihrem Jesuskind. Sie wurde am 2. Februar des Jahres 1535 durch Paul Korner, einem der letzten seinem katholischen Glauben treu gebliebenen Stiftspfarrer, von der Stuttgarter Stiftskirche nach Hofen gebracht. Seither genießt sie zu Ehren der Jungfrau Maria auch in Hofen, insbesondere in den Marienmonaten Mai und Oktober, ungebrochen hohe Verehrung. So z.B. auch am 8. Oktober 1961 bei der Wallfahrt von hunderten von heimatvertriebenen deutschen Katholiken in ihrem besonderen Anliegen 'Zur Rettung der Welt und der Kirche in Not - Betet und tut Buße!

Quelle: Heimatkundliche Berichte aus Mühlhausen und Hofen, E. Kirchner, Jahr 1963
Am 26. März 2018 überarbeitet durch Peter Harrer und Heinrich Schütz